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Eine hohe Grundfutterqualität ist die Voraussetzung für eine hohe Milchleistung!

Univ.-Doz. Dr. Leonhard Gruber, Institut für Nutztierforschung, LFZ Raumberg-Gumpenstein, Irdning

Um den Energiebedarf hochleistender Milchkühe decken zu können, ist eine hohe Grundfutter-qualität die unbedingte Voraussetzung. Denn nur bei rechtzeitigem Schnitt des Wiesenfutters wird sowohl eine hohe Verdaulichkeit als auch eine hohe Futteraufnahme erzielt. Diese beiden Faktoren ergeben die Energieaufnahme, welche zu entsprechenden Milchleistungen führt. Als Ergänzung wird Kraftfutter – in bedarfsgerechten Mengen – eingesetzt. Bei sehr frühem Schnitt und hohen Kraft¬futtermengen ist auf die Wiederkäuergerechtheit der Ration zu achten. Ein stabiler, physiologisch gesunder Pansenstoffwechsel mit hoher Aktivität der Pansenmikroben ist die Grundlage für die Fermentation des Grundfutters und die Gesundheit der Tiere. Nur dadurch können hohe Futter¬aufnahmen und ein hoher Gehalt an Milchinhaltsstoffen erzielt werden. Im folgenden Beitrag werden Ergebnisse aus Fütterungsversuchen am LFZ Raumberg-Gumpenstein kurz dargestellt, welche die große Bedeutung des Schnittzeitpunktes für die Milchviehfütterung klar aufzeigen.

In Versuch I wurde eine Dauerwiese 2, 3 oder 4 Mal pro Jahr geerntet, das Futter als Heu konserviert und an Milchkühe zur Feststellung der Futteraufnahme und Milchleistung verfüttert. Die Verdaulichkeit wurde an Schafen ermittelt. Die unterschiedliche Schnitthäufigkeit führte zu sehr verschiedenen Grundfutterqualitäten, die durch die Dauer der einzelnen Aufwüchse bedingt ist. Mit steigender Schnitthäufigkeit ging der Rohfasergehalt von 331 auf 291 bzw. 246 g/kg TM zurück und dementsprechend stieg die Verdaulichkeit von 58,0 auf 65,6 bzw. 72,2 % an. In Abbildung 1 ist auch der Energiegehalt der einzelnen Aufwüchse dargestellt. Bei der 4-Schnitt-Nutzung weisen alle 4 Aufwüchse eine sehr ähnliche Energiekonzentration auf, im Durchschnitt 5,9 MJ NEL/kg TM. Bei 3-Schnitt-Nutzung und ganz besonders bei 2-Schnitt-Nutzung hat der 1. Aufwuchs einen wesentlich geringeren NEL-Gehalt als die Folgeaufwüchse (z. B. 4,34 und 4,78 MJ NEL/kg TM). Daraus ist klar der Schluss zu ziehen, dass es auf den rechtzeitigen Schnitt des 1. Aufwuchses ankommt, wenn man eine hohe Verdaulichkeit erreichen will. Die 1. Aufwüchse haben einen anderen Wachstumsverlauf, ein anderes Blatt/Stängel-Verhältnis und einen wesentlich verholzteren Stängel als die weiteren Aufwüchse. Dies macht ihre niedrige Verdaulichkeit aus, wenn es nicht gelingt, sie rechtzeitig zu mähen! Diese Aussagen zum Futterwert spiegeln sich auch in der Futteraufnahme und in der Milchleistung bei unterschiedlicher Schnitt¬häufigkeit wider. Im Versuch wurden die Kühe entweder ohne Kraftfutter oder bedarfsgerecht mit Kraftfutter gefüttert. Die Fütterung ohne Kraftfutter erlaubt eine unverfälschte Aussage der Auswirkungen der Grundfutterqualität, da die Ergebnisse nicht durch die sog. Grundfutterverdrängung überlagert sind. Die Kühe verzehrten ohne Kraftfutter vom Heu aus der 2-, 3- oder 4-Schnitt-Nutzung 11.6, 14.5 bzw. 17.2 kg TM. Diese Daten zeigen auch, dass die Futteraufnahme wesentlich stärker auf die Schnitthäufigkeit reagiert als die Verdaulichkeit. In Prozent ausgedrückt beträgt die Futteraufnahme nämlich 100, 125 bzw. 148 % und die Verdaulichkeit 100, 113 und 124! Die daraus erzielbare Milchleistung beträgt 1.701, 3.597 oder 5.644 kg pro Laktation. Werden diese Grundfutterqualitäten zur Deckung des Energiebedarfs mit Kraft¬futter ergänzt, sind dazu 6.5, 4.9 bzw. 4.0 kg TM Kraftfutter erforderlich und die Grundfutter¬aufnahme beträgt nur noch 9.3, 12.2 bzw. 14.4 kg TM. Auch die Gesamtfutteraufnahme unterscheidet sich sehr stark um 2,6 kg TM, nämlich 15.8, 17.1 bzw. 18.4 kg TM. Daraus lassen sich 4.685, 5.560 oder 6.637 kg Milch erzeugen. Eine niedrige Grundfutterqualität kann also durch Kraftfutter nicht wettgemacht werden. Zu hohe Kraftfuttergaben würden zu Pansenübersäuerung führen.

In Versuch II wurde der Verlauf der Futterqualität in drei Aufwüchsen verfolgt, also während der gesamten Vegetationszeit. Diese Futter wurden frisch an Schafe und Milchkühe zur Bestimmung des Futterwertes verfüttert (Abbildung 2). Der Gehalt an Rohfaser steigt im Lauf der Vegetation im 1. Aufwuchs stark an (von 22 auf 33 % der TM), weniger im 2. Aufwuchs und kaum im dritten. Wie schon im vorigen Abschnitt ausgeführt, sind also der 1. Aufwuchs und die Folgeaufüchse eigentlich nicht zu vergleichen. Die Verdaulichkeit der OM ging dagegen in allen 3 Aufwüchsen in ähnlicher Weise zurück, im Durchschnitt der 3 Aufwüchse von 77,3 % in der 1. Versuchswoche auf 63,8 % in der 7. Versuchswoche. Daraus kann geschlossen werden, dass es nicht nur um den absoluten Gehalt an Rohfaser (man spricht heute eher von Gerüstsubstanzen, NDF) geht, sondern auch um deren Zusammensetzung (Zellulose, Hemizellulose, Lignin). Vor allem der 2. Aufwuchs weist – in Folge der hohen Temperaturen im Sommer – einen hohen Ligningehalt auf. Die Futteraufnahme folgt genau dem Gehalt an Gerüstsubstanzen. Die Grundfutteraufnahme – bei einem Kraftfutteranteil von 31 % der TM – geht im Laufe des 1. Aufwuchses von 13,3 auf 10,7 kg TM zurück und in den Folgeaufwüchsen wurde ein geringerer Rückgang der Grundfutteraufnahme festgestellt. Die Gerüst¬substanzen bestimmen die Füllung des Pansens und somit die Höhe der Futteraufnahme der Wiederkäuer. Die aus dem Futter erzielbare Milchleistung im Verlauf der Vegetation ist das Ergebnis von Futteraufnahme und Energiegehalt. Im 1. Aufwuchs geht die aus dem Grundfutter erzielbare Leistung von 15,1 auf 5,4 kg zurück, im 2. Aufwuchs von 11,8 auf 6,1 kg und im dritten von 13,4 auf 8,7 kg pro Tag.

Diese Versuchsergebnisse zeigen den hohen Wert des Grundfutters für die Milcherzeugung, vorausgesetzt, es wird rechtzeitig gemäht (besonders der 1. Aufwuchs) und natürlich auch schonend konserviert. Das Kraftfutter ist nur entsprechend dem (Energie-)Bedarf einzusetzen. Besonders bei niedrigen Grundfutterqualitäten besteht die Gefahr hoher Kraftfuttermengen, die zu Pansen¬übersäuerung führen können.

  • Abbildung 1: Rohfaser- und Energiegehalt und Verdaulichkeit des Wiesenfutters sowie Futter-aufnahme und Milchleistung bei 2-, 3- oder 4-Schnittnutzung eines Dauergrünlandes im oberen Ennstal (Steiermark, 700 m Seehöhe, Versuch I – Erläuterungen siehe Text).

  • Abbildung 2: Rohfasergehalt und Verdaulichkeit des Wiesenfutters von Dauergrünland sowie Futteraufnahme und Milchleistung aus dem Grundfutter im Laufe von 7 Wochen in drei Aufwüchsen pro Jahr (oberes Ennstal, Steiermark, 700 m Seehöhe, Versuch II – Erläuterungen siehe Text).

  • Foto 1: Ein rechtzeitiger Nutzungszeitpunkt des Wiesenfutters ist Voraussetzung für eine hohe Verdaulichkeit und Futteraufnahme.

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